"Rückbau ist auch eine Chance"

Mit freundlicher Genehmigung der OTZ / 16.10.09

Interview mit der Bieblacher Stadtteilmanagerin Steffi Sauerbrei

Rückbau ist auch eine Chance - Interview mit Steffi Sauerbrei

Ihre Kollegin Margitt Böhme sagte als Stadtteilmanagerin über den südlichsten der Geraer Stadtteile, Lusan lebt. Unterschreiben Sie das auch für Bieblach?

Ja, natürlich. Auch Bieblach lebt.

Wie macht sich das bemerkbar?

Wir haben viele Vereine, Begegnungsstätten, fünf Kindertagesstätten, zwei Grundschulen, eine Regelschule und eine Bibliothek. Hier finden das ganze Jahr über Aktionen und Veranstaltungen statt, die für Leben und Abwechslung sorgen.

In Ihrem Büro hängt eine ganze Wand voller Zettel mit kleinen und großen Wünschen. Woran fehlt es in Bieblach?

Die Stadtteile sind verhältnismäßig jung, Bieblach-Ost ist ja erst vor 23 Jahren entstanden. Hier fehlt es z.B. an Traditionen, die in den anderen Vierteln mit den Jahrzehnten gewachsen sind. Als Stadtteilbüro mit all seinen Potentialen setzen wir Impulse, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und die Bürger einzubeziehen.

Wie machen Sie das?

Der große Rahmen ist das Programm Soziale Stadt, das seit dem Jahr 2000 in Bieblach läuft. Im Kleinen sind das etwa Aktionen wie der Frühjahrsputz oder die Kindermalaktion. Als Stadtteilmanagerin bin ich Mittler, bringe Stadt, Verbände und Bürger zusammen. Im Aktionsfonds haben wir in diesem Jahr etwa 7500 Euro, um Ideen umzusetzen, vom Lampionumzug bis zum Kita-Fest.

Mit welchen Sorgen kommen die Menschen noch zu Ihnen?

Die ungünstige Wegeverbindung zwischen Bieblach-Ost und dem Bieblacher Hang wird immer wieder kritisiert. Das ist eine Aufgabe, die die Stadt auch im Integrierten Entwicklungskonzept festgehalten hat. Und sie wird dringender für die Zukunft, denn die Infrastruktur verlagert sich mehr zum Hang. Dort sind die Bibliothek, das Ärztehaus und Einkaufsmärkte.

Gibt es Wirtschaft und Gewerbetreibende in Bieblach-Ost?

Wir haben hier ein Gewerbegebiet mit zahlreichen Firmenansiedlungen. Im nahen Umkreis sind neben dem großen Bieblach-Center die Gaststätte "Porzelline", ein Friseur, eine Fahrschule und ein Fahrradgeschäft mit Post-Dienstleistungen zu nennen. Für den Stadtteil sind diese Geschäfte wichtig.

Wie sieht es mit der Arbeitslosigkeit im Stadtteil aus?

Die Arbeitslosigkeit in Bieblach ist sehr hoch. Viele Bewohner haben existenzielle Sorgen.

Und hinzu kommt: Bieblach wird weiter schrumpfen...

Ja, auch das erklären wir den Leuten hier. Da nehme ich schon mal ein Modell zur Hand und zeige, warum dieser Block abgerissen wird und nicht jener. Das verstehen sie dann auch. Der Stadtteil schrumpft vom Rand her, damit er kompakt bleibt - und finanzierbar.

Wohnen Sie eigentlich hier?

Nein, ich lebe in einem anderen Stadtteil. So wie viele, die hier in Bieblach Einrichtungen leiten. Auch deshalb sind besonders die Bieblacher Bewohner aufgefordert, in den Gremien und Netzwerken für ihren Stadtteil einzutreten. Nicht hier zu wohnen, sehe ich jedoch nicht als Nachteil. Auf diese Weise lassen sich gut Vergleiche ziehen und ich betrachte den Stadtteil immer wieder neu.

Und, was sehen Sie?

Der Rückbau ist eine große Veränderung, fast eine neue Epoche für Bieblach, doch auch eine große Chance, die wir nutzen wollen.

15.10.2009   

 


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